Die Wahrheit über Rechenzentren im All, das neue Mondrennen, Musks Pläne & KI (Dr. Thomas Zurbuchen)
Ein neues Mondrennen ist entbrannt – nicht mehr nur zwischen Nationen, sondern auch zwischen Tech-Milliardären, die Rechenzentren in den Orbit schicken wollen. Während Elon Musk und Jeff Bezos Weltraum-Infrastruktur aufbauen, entwickelt die NASA Kernreaktoren für die Mondoberfläche und europäische Startups versuchen, ein Gegenstück zu SpaceX zu werden. Dr. Thomas Zurbuchen, der am längsten amtierende Wissenschaftsdirektor der NASA, ordnet ein, was hinter diesen Plänen steckt und warum die Thermodynamik uns möglicherweise irgendwann zwingen wird, Rechenzentren ins All zu exportieren. Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob wir ins All expandieren, sondern ob wir als Zivilisation zusammenarbeiten können, um diese Technologien für die Zukunft der Menschheit zu nutzen – oder ob wir Gefahr laufen, die gleichen Fehler im Weltraum zu wiederholen.
Key Takeaways
Rechenzentren im Orbit könnten in 10–20 Jahren Realität werden, nicht weil sie heute schon effizienter als irdische sind, sondern weil sie die Erde von Abwärme und Energieverbrauch entlasten und gleichzeitig Datensouveränität sichern.
Der Mond wird zum strategischen Ziel für USA und China, weil er potenziell seltene Erden, Helium-3 für Fusionsenergie und Wasser für Raketentreibstoff bietet – auch wenn die wirtschaftliche Machbarkeit noch ungewiss ist.
Kernreaktoren auf dem Mond sind bis 2030 geplant, um die extremen Temperaturschwankungen zu bewältigen und dauerhaft Energie für Forschung und kommerzielle Nutzung bereitzustellen.
KI wird zum entscheidenden Werkzeug für autonome Roboter im Weltraum: Der Mars-Rover Perseverance nutzt bereits KI-gestützte Routenplanung, um Hindernisse zu erkennen und Entscheidungen ohne Erdkontakt zu treffen.
Europa hat das Potenzial, im New Space mitzuspielen – mit innovativen Startups wie ISAR Aerospace und Exploration Company –, muss aber bürokratische Hürden abbauen und schneller werden, um mit den USA zu konkurrieren.
In a Nutshell
Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab, ob wir es schaffen, unsere wichtigsten Technologien – von Rechenzentren bis zur Produktion – von der Erde ins All zu verlagern, bevor deren Energie- und Wärmebedarf die Bewohnbarkeit unseres Planeten bedroht.
Vom Berner Oberland zur NASA
Zurbuchen wuchs als Sohn eines Predigers auf und wurde später der einflussreichste Wissenschaftschef der NASA-Geschichte.
Thomas Zurbuchen wuchs in Heiligenschwendi, einem kleinen Bauerndorf im Berner Oberland, als Sohn eines freikirchlichen Erweckungspredigers auf. Der Blick in die Sterne war für ihn nicht nur wissenschaftliches Interesse, sondern ein Ziehen weg von der abgeschlossenen christlichen Gemeinde, in der er aufwuchs. Nach seinem Physikstudium an der Universität Bern und seiner Promotion in Astrophysik 1996 zog er zwei Wochen später in die USA.
An der University of Michigan wurde er Professor für Weltraumforschung und gründete das größte studentische Entrepreneurship-Programm Amerikas mit. 2016 wurde er Wissenschaftsdirektor der NASA – eine Position, die er länger innehatte als jeder andere in der Geschichte der Behörde. Mit einem Jahresbudget von 6 bis 8 Milliarden Dollar leitete er über 130 laufende Missionen und brachte 37 neue Projekte zum Start. Unter seiner Führung berührte ein Raumschiff zum ersten Mal die Sonne, der Perseverance-Rover landete auf dem Mars, und das James-Webb-Weltraumteleskop erreichte seinen Orbit 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Seit 2023 ist er zurück in der Schweiz und leitet die Space Initiative der ETH Zürich.
Das neue Mondrennen
Warum der Mond wirtschaftlich interessant ist
Seltene Erden, Helium-3 für Kernfusion und Wasser als Raketentreibstoff machen den Mond attraktiv – die Machbarkeit ist jedoch unklar.
Der Mond verspricht drei wirtschaftliche Chancen. Erstens enthält er seltene Erden und Metalle, die in der Elektronik benötigt werden und auf der Erde limitiert sind. Die Herausforderung: Man möchte nicht große Steine zur Erde zurückbringen, sondern das Material direkt auf dem Mond extrahieren – die Technologie dafür existiert noch nicht. Zweitens gibt es Helium-3 auf der Mondoberfläche, das für Quantencomputer und Kernfusion entscheidend sein könnte.
Die dritte und wichtigste Ressource sind Wasser und Kohlenstoffverbindungen. Die Vision: Raketen könnten auf dem Mond mit lokal gewonnenem Material betankt werden, bevor sie weiter ins Sonnensystem fliegen. Der Mond hat keine Atmosphäre und eine viel geringere Gravitation als die Erde – Start und Treibstoffkosten wären drastisch niedriger. Allerdings ist völlig unklar, in welcher Form das Wasser tatsächlich im Mondregolith vorliegt. Es könnte atomar verteilt sein wie in der Sahara – oder als größere Eisbrocken. Zurbuchen betont: «In keinem Fall ist der wirtschaftliche Fall absolut klar. Es sind Annahmen und Hoffnungen, die uns treiben.»
Kernreaktoren auf dem Mond: Warum sie notwendig sind
Solarenergie reicht nicht aus, weil die Temperaturen bis –150 °C fallen und Elektronik zerstören.
Kernreaktoren auf dem Mond: Warum sie notwendig sind
In den polaren Regionen des Mondes, wo sich die interessantesten Wasser-Ressourcen befinden, gibt es lange Phasen ohne Sonnenlicht. Die Temperatur fällt dann auf unter –150 °C, weil es keine Atmosphäre gibt, die Wärme speichern könnte. Elektronik würde sofort versagen. Kernreaktoren liefern sowohl Wärme als auch elektrische Energie – und sind damit die einzige praktikable Lösung für permanente Infrastruktur auf dem Mond. Die NASA entwickelt gemeinsam mit dem US-Energieministerium Reaktoren, die bis 2030 startbereit sein sollen.
Rechenzentren im Orbit: Kühlung, Energie und Datensouveränität
Google, OpenAI und Musk planen orbitale Rechenzentren – nicht wegen Effizienz, sondern wegen Abwärme und Unabhängigkeit.
Der Betrieb von KI-Rechenzentren auf der Erde stößt an physikalische Grenzen. Jede Berechnung erzeugt Abwärme, und die Erde hat nur eine endliche Oberfläche, über die diese Wärme ins All abgestrahlt werden kann. Google arbeitet bereits seit Jahren an orbitalen Rechenzentren und hat im Project Suncatcher TPUs für den Orbit entwickelt. OpenAI und xAI (Elon Musk) ziehen nach. Die Motivation ist dreifach: Erstens wird die Energiebelastung auf der Erde verringert. Zweitens sind orbitale Rechenzentren für militärische Anwendungen attraktiv, weil Entscheidungen im Weltraum schneller getroffen werden können, ohne Daten zur Erde zurückzuschicken. Drittens verspricht der Orbit Datensouveränität – Daten, die nur im Weltraum gespeichert und verarbeitet werden, sind weniger anfällig für Zugriff durch andere Länder oder Firmen.
Die Herausforderungen sind enorm: Woher kommt die Energie? Wie wird die Abwärme abgestrahlt? Wie kommunizieren die Knoten untereinander und zur Erde? Zurbuchen ist realistisch: «Man fängt an, ohne dass man so gut ist wie auf der Erde, vielleicht nur 10 % oder 1 % so gut, und man lernt, wie man damit umgeht.» In 10 bis 20 Jahren könnten orbitale Rechenzentren in vielen Sektoren wettbewerbsfähig sein.
Die DART-Mission: Ein Asteroid als Testlabor
Ein NASA-Raumschiff hat 2022 absichtlich einen Asteroiden getroffen und seine Umlaufbahn verschoben.
“Wir haben einen kleinen Körper getroffen, den wir noch nie beobachtet haben von der Erde, autonom mit einem Satelliten so groß wie ein Kühlschrank. Eine Fontäne von Material kam raus über längere Zeit, viel mehr als wir je gedacht haben. Also war ein Riesenerfolg.”
KI im Weltraum: Wie der Mars-Rover selbstständig wird
Perseverance nutzt seit Dezember 2025 KI-Modelle von Anthropic, um Routen autonom zu planen.
Der Mars-Rover Perseverance hat im Dezember 2025 die ersten KI-geplanten Fahrten absolviert. Die NASA experimentiert mit Anthropic-Modellen (Claude), um Hindernisse in Echtzeit zu erkennen und Entscheidungen ohne Erdkontakt zu treffen. Das Problem: Wenn ein Rover auf dem Mars verloren geht, kann man ihn nicht einfach wieder aufstellen. Jede Technologie muss von Anfang an funktionieren. Zurbuchen erklärt, dass die NASA in einem «Sandbox»-Ansatz arbeitet – man testet neue Modelle erst in kontrollierten Umgebungen (Mars Yards auf der Erde), bevor sie auf echten Missionen eingesetzt werden.
Die Vision: Mit KI könnten Rover zehnmal schneller navigieren, weil sie Hindernisse besser einschätzen und interessante wissenschaftliche Ziele schneller identifizieren können. Besonders spannend: Die Suche nach Meteoriten von der Erde auf dem Mars oder anderen Himmelskörpern. Mit traditionellen Methoden dauert das viel zu lange – KI könnte alle Optionen mit «einer Geschwindigkeitsvergrößerung von einer Million» durchchecken.
Europa im New Space: Startups und staatliche Hürden
Europäische Startups wie ISAR Aerospace, Exploration Company und Swiss Space Systems haben Potenzial, kämpfen aber mit Bürokratie.
Die größte Frage: Schaffen wir es, nicht selbstzerstörerisch zu sein?
Zurbuchen hofft, dass die Menschheit ihre Energie in Forschung statt Aufrüstung investiert.
“Wenn du Aliens treffen würdest, was wäre die erste Frage, die du stellst? Die Frage wäre: Wie habt ihr es geschafft, über diese negativen Dinge zu kommen und zusammen die Energie so zu bündeln, dass sie gebraucht werden kann, um tiefer ins Universum zu gehen?”
Vision 2035: KI, Erdbeobachtung und die Suche nach außerirdischem Leben
In 10 Jahren sollen Satelliten genug Daten liefern, um zu verstehen, ob es Leben außerhalb der Erde gibt.
KI + Erdbeobachtung für Landwirtschaft Ein Bauer irgendwo auf der Welt soll über eine mobile Plattform Informationen bekommen, wo Düngen nötig ist und wo nicht. 80 % des Düngers wird heute verschwendet und gelangt in die Ozeane.
KI-Technologien im Weltraum Intelligente Satelliten sollen Daten in Echtzeit verarbeiten und autonom Entscheidungen treffen, ohne auf Erdkontakt angewiesen zu sein.
Suche nach bakteriellem Leben Zurbuchen hofft, dass in 10 Jahren genug Daten von Exoplaneten-Atmosphären vorliegen, um zu verstehen, ob es einfaches bakterielles Leben außerhalb der Erde gibt – nicht intelligentes, sondern einzelliges Leben.
Pharmazeutische Revolution Die Entdeckung außerirdischen Lebens könnte ein «ganzes neues Inventar von Lösungen» für Gesundheit und Pharmazie eröffnen, über die wir heute noch nicht nachgedacht haben.
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