Longevity – Auf der Suche nach einem erfüllten Leben | DOK | SRF
Im Luxushotel von St. Moritz treffen sich Pioniere der Langlebigkeitsforschung, Influencerinnen, die täglich zweieinhalb Stunden in Gesundheitsroutinen investieren, und Unternehmer, die versprechen: Das Altern lässt sich wie eine Krankheit behandeln. Doch was passiert, wenn man sich ein halbes Jahr lang auf dieses Experiment einlässt – mit Bluttests, Supplements, Kältekammern und täglichen Atemübungen? Und wo bleibt die Frage nach dem erfüllten Leben, wenn alles der Optimierung untergeordnet wird?
Puntos clave
Das biologische Alter lässt sich messen – aber viele Tests und Treatments haben keine solide wissenschaftliche Evidenz für den Menschen, sondern nur für Mäuse oder Zellen.
Bewegung, ausgewogene Ernährung und Schlaf sind die einzigen nachweislich wirksamen Faktoren für gesundes Altern – nicht teure Supplements oder Hightech-Therapien.
Atemübungen und Meditation können Stress reduzieren und die Herzratenvariabilität verbessern – mit einfachen Mitteln, ohne Kosten.
Die Longevity-Industrie ist ein lukratives Geschäftsmodell: wiederkehrende Umsätze durch Tests und Therapien, die oft Ängste bedienen statt echte Gesundheit zu fördern.
Ein erfülltes Leben entsteht nicht durch Optimierung der Zukunft, sondern durch bewusstes Erleben, Beziehungen und die Fähigkeit, mit sich selbst im Moment zurechtzukommen.
En resumen
Longevity verspricht Kontrolle über das Altern – doch das Experiment zeigt: Die meisten Interventionen sind wissenschaftlich nicht belegt, und das ständige Messen und Optimieren kann mehr stressen als helfen. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass ein erfülltes Leben nicht in der Zukunft liegt, sondern im bewussten Erleben des Moments.
Die Longevity-Konferenz: Versprechen einer neuen Welt
Im Luxushotel St. Moritz treffen sich Pioniere, die das Altern als Krankheit behandeln wollen.
In St. Moritz findet eine exklusive Longevity-Konferenz statt, organisiert von Tobias Reichmuth und anderen Unternehmern. Die Botschaft: Altern ist nicht gottgegeben, sondern behandelbar – wenn auch noch nicht vollständig heilbar, so doch verlangsambar. Influencerin Kayla Barnes plant, mindestens 150 Jahre alt zu werden, und investiert täglich zweieinhalb Stunden in ihr Gesundheitsprogramm. Der renommierte Forscher Aubrey de Grey ist überzeugt, dass der Mensch, der 1000 Jahre alt wird, bereits geboren ist.
Das Herzstück der Longevity-Bewegung ist das «biologische Alter» – ein Maß dafür, wie alt der Körper wirklich ist, unabhängig vom Geburtsdatum. Monique, die Journalistin, lässt sich selbst testen: chronologisch 45 Jahre alt, biologisch 38. Doch dann der Schock bei ihrem eigenen Test: Sie ist biologisch älter als ihr tatsächliches Alter. Die Klinik verspricht, mit einem Programm aus Tests, Supplements und Therapien könne sie das ändern.
«Ich plane mit mindestens 150 Jahren»
Influencerin Kayla Barnes über ihre tägliche zweieinhalb-stündige Gesundheitsroutine.
“Ich mache jeden Morgen mein Programm, zweieinhalb Stunden. Ja, ich plane mit mindestens 150 Jahren.”
Das Longevity-Programm: Was wird getestet und behandelt?
Die Wissenschaft sagt: Die meisten Treatments sind nicht belegt
Forscher Christoph Handschin: Nur Bewegung, Ernährung und Schlaf sind wissenschaftlich gesichert.
Am Biozentrum der Universität Basel forscht Christoph Handschin zu Training, Muskeln und Alterungsprozessen. Sein Urteil ist ernüchternd: Für Tests wie Ausdauer, Muskelkraft und Körperzusammensetzung gibt es gute Evidenz – sie korrelieren mit Krankheitsrisiko und Lebenserwartung. Doch für epigenetische Tests, Glycoprotein-Varianten und die meisten Treatments wie Kältekammer, Rotlicht oder hyperbare Sauerstofftherapie fehlen wissenschaftliche Belege am Menschen. «Es gibt im Moment keinen Beweis für irgendein Supplement oder Medikament, dass das menschliche Altern beeinflusst», sagt Handschin.
Das Problem: Viele Longevity-Anbieter berufen sich auf Studien – aber diese wurden an Mäusen, Fadenwürmern oder Hefezellen durchgeführt. «Es ist einfacher, in die Klinik zu gehen und zu denken, man hat etwas für sein Alter getan, als jeden Tag zu joggen oder ins Fitnessstudio zu gehen», so Handschin. Doch ohne Bewegung, gute Ernährung und ausreichend Schlaf sind alle Treatments kontraproduktiv.
Die Kosten der Langlebigkeit
Zwischen 15.000 und 700 Franken pro Sitzung – wer kann sich Longevity leisten?
Tanja Schönko: «Ich möchte mein Leben in vollen Zügen nutzen»
Eine Enthusiastin ändert ihr ganzes Leben – und ist biologisch 21 statt 42.
Tanja Schönko hat vor fünf Jahren ihre Mutter mit 60 an Krebs verloren – ein Augenöffner. Seitdem hat sie ihr Leben komplett umgestellt: kein Fleisch, keine Milchprodukte, kein Zucker, selten Alkohol. Sie trainiert zweimal pro Woche mit Privattrainer, geht wöchentlich in die Longevity-Klinik und misst ständig ihre Werte. Ihr biologisches Alter: 21,4 Jahre – obwohl sie 42 ist. Ihre Altersrate: 0,62 – das bedeutet, pro Kalenderjahr altert ihr Körper nur um 0,62 Jahre.
Tanja sieht das Ganze als Experiment. «Wenn sich niemand damit beschäftigt, sind wir in 50 Jahren genau gleich weit», sagt sie. Doch sie stößt auf Unverständnis: Freunde fragen, warum sie so viel investiert. Ihre Antwort: Sie investiert lieber in Gesundheit als in Zigaretten oder täglichen Kaffee. Doch auch sie weiß: «Wer am Schluss recht hat, wirst du nie erfahren – vielleicht erst in 30, 40, 50 Jahren.»
Das Selbstexperiment: Sechs Monate Longevity im Alltag
Monique testet Supplements, Atemübungen und Therapien – mit gemischten Gefühlen.
Start: Biologisches Alter 43,4 Zwei Jahre älter als chronologisch – wegen niedriger Muskelmasse und hohem Stresslevel.
Supplements & Therapien Sechs Tabletten täglich, Höhentraining, Rotlicht – aber: «Es fühlt sich absurd an, ich bin ja gesund.»
Atemübungen mit Ralf Skruban Kontrollpause von 17 Sekunden auf 30 Sekunden verbessert – bewusstes Atmen bringt Ruhe im Alltag.
Ernährung umstellen Mehr Gemüse, Vollkorn, weniger Zucker – Blutzucker stabiler, keine Hungerattacken mehr.
Zwischenbilanz: Motivation sinkt Nach drei Monaten vergisst sie oft die Tabletten – «Ich spüre keinen Unterschied mehr.»
Endergebnis: Biologisch 41,1 Jünger als chronologisch – aber Muskelmasse schlechter, 50% mehr Fett. Arzt: «Es gibt noch Spielraum.»
«Man kann nicht das Leben auf die Zukunft verschieben»
Philosoph Robert Pfaller über Genuss, Risiko und die Absurdität des Optimierungswahns.
“Die Länge des Lebens ist kein Lebensziel. Die Frage ist doch, wie verbringen wir die Zeiten, die wir haben? Wenn man nur vernünftig ist, hat man überhaupt kein Leben. Wirklich vernünftig ist man dann, wenn man sich ab und zu ein wenig Unvernunft gönnen kann.”
Hans Keller: Leben nach dem Unfall
Ein Paraplegiker zeigt, was wirklich zählt – Liebe, Humor und Dankbarkeit.
Hans Keller: Leben nach dem Unfall
Hans Keller ist bei einem Snowboard-Ausflug verunglückt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Er hat ein gesundes Leben geführt, kein Risiko gesucht – und doch kam der Schicksalsschlag. Seine Perspektive: «Ich bin immer noch Optimist. Ich kann immer noch Liebe geben, Bier trinken, Pommes essen, Witze machen. Das macht meine Persönlichkeit aus, nicht meine Beine.» Seine Partnerin Madlina ist an seiner Seite. Gemeinsam wollen sie irgendwann im Wohnwagen die Welt bereisen – ohne perfekte Pläne, nur im Moment leben.
Sofi: 100 Jahre alt – ohne Longevity-Klinik
Eine Hundertjährige lebt allein, kocht selbst und campt jeden Sommer im Zelt.
Sofi ist im letzten Sommer 100 Jahre alt geworden. Sie lebt allein in einer Vierzimmerwohnung, kocht selbst und macht alles im Haushalt. Einen Rollator hat sie erst seit kurzem. Jeden Sommer verbringt sie mehrere Wochen im Zelt auf dem Campingplatz – auch bei Regen. «Für mich ist das Erholung. Andere gehen ins Sanatorium, wo alle Ärzte und Krankenschwestern herumlaufen. Ich bin lieber auf dem Zeltplatz.»
Sofi hat nie Geld vom Sozialamt erhalten, hat ihre Kinder allein durchgebracht und immer gearbeitet. Ihr Geheimnis? «Man muss dranblieben. Ich habe Kolleginnen, die im Altersheim sind und gesagt haben: Ich muss nicht mehr kochen. Aber nach zwei Jahren haben sie alles vergessen.» Ihr Rat: «Man muss sein eigenes Lebensding entwickeln. Ich kann nicht leben wie du – oder wie sonst jemand leben will.»
Meditation: Der Weg zu sich selbst
Zen-Meister Walter Wührer: «Es geht nicht um Leistung, sondern um Sein.»
Das Fazit: Bewusst leben statt optimieren
Am Ende bleibt die Frage: Was ist ein erfülltes Leben?
Nach sechs Monaten Longevity-Experiment steht Monique am Zürichsee und zieht Bilanz. Ihr biologisches Alter ist gesunken – von 43,4 auf 41,1 Jahre. Doch die Biomarker sind schlechter geworden: mehr Fett, weniger Muskeln, weiterhin hoher Stress. Die Tabletten hat sie oft vergessen, weil sie keinen Unterschied spürte. Was bleibt, ist die Atemübung – nicht wegen der Leistung, sondern weil sie im Moment Ruhe bringt.
Ihr Kollege von der Sternstunde Philosophie, der am Anfang skeptischer war, zieht ein anderes Fazit: «Was sich verändert hat, ist, dass ich bewusster wurde, was ein gutes Leben ist. Gesundheit gehört dazu, aber es ist nicht alles.» Die Longevity-Bewegung verspricht Kontrolle – doch das Leben ist nicht planbar. Die Begegnungen mit Hans, Sofi und den Philosophen zeigen: Ein erfülltes Leben entsteht nicht durch Optimierung der Zukunft, sondern durch Beziehungen, Demut und die Fähigkeit, den Moment zu leben.
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